Ideenjonglieren im Alltag
"Erwarte nichts - heute: Das ist dein Leben!" (Tucholsky)


Donnerstag, Februar 13, 2003  

13.02.03


Gestern abend längeres Telefonat mit Betty - "meine" neue Schauspielgruppe, die ich nur 4 Wochen trainiere macht meine Art zu Arbeiten großen Spaß, erzählte sie mir. Mir auch. Ich merke einfach daß ich das kann - von der ersten zeitlich etwas chaotischen Stunde mal abgesehen, da bin ich zu schnell zu tief eingestiegen. Ich merke, daß ich das gerne mache und auch inzwischen ein Übungsrepertoire habe aus dem ich auch ein bestehendes Stundenkonzept improvisatorisch wieder variieren kann, wenn ich merke, was die Gruppe gerade braucht. Letzten Donnerstag hatte ich Tränen gelacht, daß die "Dolmetschübung" so genial sein kann hatte ich ja fast schon vergessen. Kann mich nicht mehr daran erinnern wann zuletzt ich wirklich weinen mußte vor lauter Lachen. Tolle Übung, die aus jedem etwas herausholt weil sie Angst nimmt und man sich automatisch auf den Partner verläßt und weil Grammolo jeden Zwang originell sein zu müssen nimmt. Wäre wunderbar, wenn ich das Training mit dieser bunt gemischten Truppe weitermachen könnte. Ich kenne derzeit nämlich nur Leute meines Alters, das muß sich mal ändern.



Nochmal an den Abend im Lotta gedacht. Ich glaube ich verwirre viele Menschen mit meinen vielen verschiedenen Seiten. Es dauert nunmal bis man glaubt mich zu kennen. Ich hoffe mit meinem plötzlichen "Hach bin ich so müde, ich muß jetzt in mein Bett" habe ich niemanden vor dem Kopf gestoßen.



12.02.03


Gestern abend spontan mit P. some drinks in a „Durchschnittskneipe“ (Lotta) nachdem die Haifischbar gähnend leer war. Übermütig versucht ihn zu Karneval zu überreden. War aufgedreht wie selten. Und für meine plötzliche Eingebung: Dann komm doch im Taucheranzug, mit Flügeln und schreib vorne drauf „Oh Superman!“ muß ich mich ja fast mal selber loben. *schmunzel ... Stieß auf einen abwehrenden Lacher : „Das kapiert doch sowieso keiner“. Und wenn schon, dachte ich, kann sein, daß die meisten dabei NICHT an Laurie Anderson denken, aber unterschätze bloß nicht die Feiernden: „Es feiern nicht nur Prolls Karneval!“ konnte dich allerdings auch nicht wirklich überzeugen. Ich hoffe, du überlegst es dir nicht nochmal zu gründlich. Nicht daß ich jemand "einfach nur" überreden will ....



11.02.03


Synchronizität Number wasweißich
Beim Höhren von Marks CD, die ich zum ersten Mal höre und die wunderbare Stücke enthält, konvertiere ich meine Diplomarbeit von Quark in ein pfd und schaue mir sie seit langem mal wieder von A-Z durch und in dem Moment, als ich doch überrascht werde von der Tatsache, daß meine Diplomarbeit ein Foto von Mike enthält - mein Diplom! - hatte ich tatsächlich vergessen – da fängt Rio Reiser an zu singen: Junimond. „Es ist vorbei bye bye.... Junimond ... es ist vorbei ...alles bleibt still und es kommt kein Sturm auf wenn ich dich seh“. Beruhigt widme ich mich wieder der Gestaltung des CD-Covers für eben jene Arbeit.



10.02.03


Präsentations-Termin auf nächste Woche verschoben. Wie ärgerlich. Genau nachdem ich die Fahrkarte mir besorgt habe vom Arbeitsamt.
Papa kam kurz vorbei und brachte mir neue Videos, ein Videoabend wäre mal wieder schön.
Heut wieder nix gemacht außer gesurft, von Behördengängen mal abgesehn. Ich führe ein langweiliges Leben, langweile mich aber nie. Denke zuviel und tue zu wenig.
Dabei GIBT es doch interessante Stellen, verdammt! Woran krankt meine Motivation?



Wunderbare Mode von www.anja-gockel.com



Tilman Rossmy spielt am 19.02. im MTC – dann bin ich in Berlin ... ah, was kann ich nun statt dessen hören? Zimtfisch in Langenfeld!




08.02.03


Es gibt bei Strassberg das Konzept des „magischen „als ob“ . Man vergegenwärtigt sich eine Situation mit allen wahrgenommenen Umständen – der Kälte, der Wärme, der Kleidung, der Weichheit, der Rauhheit, der Farben, des Lichtes, der gehörten Geräusche,Laute, Töne, Musik. Und wem es dir mit allen Sinnen gelingt, so zu tun als ob du in dieser Situation wärest schaffst du dir diese Realität tatsächlich. Unabhängig davon ob du sie je erlebt hast.


Das ist nicht ausschließlich Schauspielern vorenthalten. Das Gehirn hat Furchen. Bewießenermaßen beim Lernen und Fehlermachen erforscht. Wer noch Wünsche hat und sie sich mit allen Sinnen so vor Augen führt, „als ob“ sie real wären, der wird sie finden ohne zu suchen. Es sind nicht die Dinge die wir fürchten, sondern die Gedanken über die Dinge. Und genau so gilt das umgekehrt: die Kraft der Gedanken kreiert Realitäten. Ja, darüber hinaus, es sind nicht nur intellektuelle Hirngespinste es sind waschechte Gefühle. Sehnsüchte. Sehnsucht zu haben ist doch etwas sehr positives. Es heißt doch: ich weiß was ich will. (Leider weiß ich das v.a. beruflich gerade nicht und wabere deshalb schon viel zu lange in einer Un-Sehnsucht – nein, es ist eher eine All-in-One-Sehnsucht) Ist es wirklich so, daß man den Expartner wieder zurückwill?


Mit dieser Frage habe ich mich lange herumgeschlagen, denn was will ich mit jemandem, der mich schlicht nicht mehr liebt? DAS ist die Realität. Allerdings habe ich durch die Zeit mit ihm (und den vermeintlichen Idealpartnern davor) jedesmal ein Stück weit gelernt, was mir wichtig ist: bei einem Partner, in einer Beziehung. Ja, das führt zunächst mal dazu daß ich glaubte ich würde immer anspruchsvoller und klar, sooooo toll wie es war kann es nie wieder werden (der Tragödie vierter Akt, ja, der Höhepunkt ist vorbei) und sooooo einen Menschen treffe ich nie wieder etc. etc. Mir fällt diese eine Zeile von Element of Crime ein „Für was bessres bin ich hoffnungslos versaut.“ – Nachdem ich mit 21 meine erste große Liebe getroffen hatte – die nichts weiter als eine Affaire mit nur sehr wenigen, aber intensiven Treffen war, die mich drei Jahre „Leiden“ gekostet hat und demnach in keiner Relation stand zu den glücklichen Momenten *lach, als diese Zeit vorbei war – und danach war ich länger Single – nahm ich die Erkenntnis mit, welche Eigenschaften an einem zukünftigen Partner mir wichtig sind. Als ich dann Mike traf – war es ein bischen beängstigend seltsam wie sehr er diese Eigenschaften verkörperte. Er erinnerte mich in vielem an den André, den ich früher geliebt habe. Zunächst. Das war völlig unabhängig von seiner optischen Erscheinung, beide waren sehr verschiedene Typen, zumal Mike als ich ihn kennenlernte mich optisch kein bischen reizte, er hatte schlicht über 15 kg Übergewicht, spießige Klamotten und rauchte. Seine Art mit sich, den Menschen um sich und der Welt umzugehen, seine Interessen und seine Wahrnehmung der Welt, nicht zuletzt sein Musikgeschmack, sein Interesse an allem möglichen, seine unwahrscheinliche Hilfsbereitschaft (die ich zunehmend zwiespältiger sah mit der Zeit), seine erstaunliche Weltoffenheit und Bildung obwohl er nochnichteinmal Abitur hatte (und sein süßer Minderwertigkeitskomplex deswegen mir und meinen Freunden gegenüber) –was mich mit meiner eigenen Arroganz diesbezüglich aufs nicht gerade angenehmste konfrontierte – um nur ein paar Sachen zu nennen, die mich faszinierten. Alles Eigenschaften, die mich kurz nach dem Aus in tiefe Resignation versinken ließen – und mich auch schon wie bei André fragen liessen: Sooooo einen findest du nieeeee wieder, oder? Die Antwort: Ein eindeutiges Jein. So einen chronischen Glücklichen wie Mike, der seine eigenen dunklen Seen noch nicht durchschwommen hat möchte ich auch schlicht nie wieder. Auch so einen schillernden Schmetterling mit unendlicher Phantasie, die – die Kehrseite der Medialle Phantasie - schnell zu Märchen werden, die umso schlimmer nachwirken, wenn sie der Erzähler selber glaubt - wie André - möchte ich auch nicht wieder mein Herz zerfurchen lassen. Es gibt nur ganze Menschen. Manche Eigenschaften stellt man nunmehr erst nach einer gewissen Zeit fest, das ist immer ein „Risiko“ *schmunzel ... Ich habe mir immer nach einem „großen“ Aus gesagt: Der nächste wird es schwer haben. Und gleichzeitig mich gefragt: hey, wie kann ich das loswerden? Ist doch gemein, sagte ich mir: Stell dir mal vor, DU bist in der umgekehrten Lage – und „die nächste nach einer großen Liebe“? War ich auch schon mal, was allerdings wenn wirkliche Offenheit herrscht kein Problem ist; diese Beziehung ging aus anderen Gründen auseinander.
Ah, Offenheit – auch so eine Eigenschaft. An eben jenem Exfreund hat mich dies sehr gereizt, weil mein erster Freund, der davor eben eine verschlossene Auster war, dem ich alles aus der Nase ziehen mußte oder rumraten, wenn er schlechter Stimmung war, aaaaaanstrengend ....


Andererseits: auch wieder die zwei Seiten einer Medaille: wer von sich sagt, er sei offen, geradeheraus und ehrlich – was ich sehr schätze! – sollte auch mit dem Instrument „Respekt“ umgehen gelernt haben. Menschen die unter dem roten Kreuz des „Ach-ich-bin-ja-so-ehrlich-und-offen“ anderen ungefragt ihre Fehler um die Ohren hauen finde ich schlicht gesellschaftsuntauglich. Wenn ich heute jemanden treffe, der mich an jemanden wie André oder Mike erinnert, dann schmunzele ich innerlich und betrachte so jemanden besonders neugierig, versuche denjenigen in meinem Kopf aufzuhalten, der die Alarmglocken anfängt zu suchen, denn es gibt keinen Grund dazu. Ganz davon abhalten die Erinnerungsnerven zu zupfen kann ich ihn nicht, doch das gehört nunmal zu meinem Inventar. Und wenn ich andere treffe, die auf mich ohne jeden Vergleich treffen, dann freue ich besonders auf einen unvergleichlichen Menschen getroffen zu sein. Ich denke und fühle, das ist bei jedem so, zumindest in den 30ern – ich würde mich sogar wundern, wenn dies nicht so wäre. Dann würden wohl bei mir eher die Alarmglocken läuten, denn auf einen Dreissiger (ob Anfang, Mitte oder Ende) ohne jegliche Vergangenheit würde ich wohl sehr vorsichtig reagieren.



05.02.03


Nur Absagen. Nochnichtmal ein Vorstellungsgespräch. Was mache ich bloß falsch?
Falsche Frage, bei 4,6 Mio Arbeitslosen keine Scha(n)de. Oder?
Außerdem: eins hab ich ja doch: nächste Woche in Berlin! Wie klasse: dann ist Betty auch in Berlin. Wir wollen dann gemeinsam in eine Ausstellung. Mal gespannt, ob ich noch die Gelegenheit habe andere Online-Bekannte zu treffen.


posted by Catherine | 2/13/2003 06:54:00 AM
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