| Ideenjonglieren im Alltag "Erwarte nichts - heute: Das ist dein Leben!" (Tucholsky) |
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Donnerstag, Februar 20, 2003 18.02.03 Mein Kopfkino letzte Nacht Mit meinem Traumvorführer muß ich mal ein ernstes Wörtchen reden; der macht mich wahnsinnig. So klar schon ewig nicht mehr geträumt: Ich bin als eine halbunsichtbare Assistentin bei einem Seminar dabei, könnte sowas zwischen Psychodrama und Familienaufstellung sein, jedenfalls draußen, gute Stimmung in der gemischten Gruppe, super Wetter. „Halbunsichtbar“: Ich sehe die Teilnehmer alle ganz klar, fühle mich mit ihnen verbunden, bin in der Stimmung drin, weiß aber daß sie mich nicht wahrnehmen können. Denn genau das wäre in einem fall auch ganz besonders peinlich und unpassend gewesen: einer der Teilnehmer ist mein Vater. Die Teilnehmer machen gerade ein Vertrauensspiel auf einer satten grünen Wiese, leicht abschüssig wie die vor dem Jugendgästehaus, wo ich früher Betreuerin war. Wohlfühlstimmung, wie sie in einer doppelten Reihe sich gegenüberstehend die Arme reichen und einen nach dem anderen darüber weiterreichen mit raupenhaftenm Bewegungen. Ich kenne das gefühl dabei, es ist so gut sioch getragen zu wissen. Das Spiel geht über in eine intensivere Form: zwei Teilnehmer werfen einen dritten in dieses Spalier aus Armen hinein. Sie schleudern denjenigen vorher ein paar Mal hin und her. Juchzen. Gefahr. Dennoch ungefährlich. Gemeinsames Erlebnis. Steigerung im Schleudern. Mehr. Die Leute wollen immer mehr wenn sie sehen, daß es funktioniert: daß sie in der Gruppe aufgefangen werden. Dann seh ich meinen Vater. Im Gegensatz zu den anderen steht er alleine da, neben der Gruppe in der Doppelreihe, bereit die kurz in der Luft fliegenden Menschen zu fangen. Er schleudert einen anderen an den Knöcheln haltend auf Armhöhe um seine eigene Achse, sich drehend und drehend. Ich schaue genau hin und mir wird vor dem absurdem Bild leicht übel: Wie ein Hammerwerfer schleudert mein Vater, in helltürkisem Trainingsanzug, mit unübersehbarem dicken Bauch ein Ebenbild seiner selbst durch die Luft. Mein Vater No2 juchzt nicht, sondern schreit- aus Angst. Das Schlimme dabei ist: der Schrei ist lautlos – und mit jedem Luftzug bei jeder Umdrehung, immer schneller immer schneller, strömt noch mehr Luft in No2s Bauch, er wird quasi aufgepumpt. Er wird gleich platzen oder obwegen der uneinhaltbaren Fliehkraft und der Vermehrfachung des Gewichtes durch die immer schnelleren Drehungen in den Himmel geschleudert werden, unkontrollierbar schnell und hoch und stürzen. Himmel, irgendjemand muß ihn doch aufhalten, diesen Brummkreisel, süchtig sich immer weiter zu drehen, unaufhaltbar! Langsam die Geschwindigkeit drosseln und nicht diesem Rausch nachgeben sich immer schneller zu drehen, sein Selbst in beiden Fäusten, ein fießes Grinsen im Gesicht. Ich muß mich angeekelt abwenden, ich habe Bilder von platzenden Gedärmen vor Augen von durch die Luft geschleuderter Kotze. Ich zittere. Mein Vater schleudert sich aufpumpend zu Tode! Als ich mich wieder umdrehe sehe ich wie No2 mit dem wachsbleichen Gesicht eines Eunuchen auf dem Boden auf dem Bauch liegt, mein Vater kniet daneben, noch die Knöchel von No2 umklammert, wahrscheinlich weil die Fäuste noch nicht loslassen können im Krampf und wie aus No2 die Luft entweicht. So, als ob er aus einer zentimeterdicken menschlich beschichteten Darmhaut bestünde, nichts anderem. No2 ist, ja, war eine zentimeterdicke mit menschlichem Make-up beschichtete Darmhaut. posted by Catherine | 2/20/2003 01:43:00 PM
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