| Ideenjonglieren im Alltag "Erwarte nichts - heute: Das ist dein Leben!" (Tucholsky) |
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Mittwoch, Februar 05, 2003 Nur One Night Solange du Frauen Mädchen nennst, wirst du nur Mädchen begegnen. Auch ich werde zu einer Unschuldigen in weißem Nachthemd. Mit freundlich grinsenden Plüschtieren und harmlos lächelnden Teebechern mit süßer Stuppsnase. Nenn mich niedlich und ich werde niedlicher als mir je ein anderer zugedacht hat zu sein. Niedlicher als ich bin. Kuschelig. Jedweder weitere Reiz weit entfernt. Du schriebest nach meiner spontanen nächtlichen Einladung: „Sex hätte ich als Verschwndung deiner kostbaren Gegenwart empfunden. Oder war ich bloß zu müde? *g“ Später fragtest du mich am Telefon, wo in dieser durchquasselten Nacht in meinem Schlafzimmer mein Bettvorleger versteckt war. Mein Bettvorleger? Und du sagtest, ich wäre für dich wie „Annabelle“, die Reinhard Meysche Annabelle. Ein zweifelhaftes Kompliment in dieser Mail – für eine Frau generell, nicht aber für ein Mädchen, nicht? Deine Ergänzung, die Frage, ob das eine typische Reaktion von Männern auf mich sei, mit einem virtuellen Grinsen versehen könnte frau gar als unverschämt deuten. Wie gut, daß ich auf liebreizende Unverschämtheiten stehe. Und dann mittwochnacht in meiner Küche zerreisst du plötzlich den Gesprächszusammenhang mit einer Erkenntnis: „Weißt du was? Ich war glaub ich doch zu müde.“ Zum ersten Mal an diesem Abend fehlen mir die Worte. Habe mich schon aufs Mädchensein eingespielt. Eingespiegelt. Kuschlige Nacht. Gerade jetzt läuft ein Lied deiner CD-Mixe: „Will ich mit dir gehen? Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Dich immer wieder sehn? Ich weiß nicht. Ich weiß nicht.“ Singt eine naive Frauenstimme gerade, die ich nicht kenne. Klingt vielleicht so Bernadette La Hengst? Du konfrontierst mich mit Vorurteilen, meinen eigenen. Gegen Jungs ohne Abitur und Studium.In Gedanken bitte ich nochmal Mike um Verzeihung, der auch anfangs darunter leiden mußte und auch sicher noch gegen Ende immer wieder den Minderwertigkeitskomplex hochgezüchtet hat diesbezüglich und mir gegenüber. Immerhin: drei Jahre. Und da ist nochwas: Vorurteile gegen harte Jungs, Bundeswehr und so - ich denke an F. - unkompatible Vorstellungen von Ästhetik, ich kann mich schlicht kein bischen für Tatoos begeistern, null. "Weil ich ein Mädchen bin ... " *lach ... Das Mädchen hat keinerlei Lust. Läßt sich einfach nur im Arm halten wie von einem großen Bruder, der in seinem verwegenen Äußeren ein sensibles Herz trägt und einen schon von Geburt an kennt. Deine blonden Haare sind lustig verwuschelt. Deine Augen wasserblau. Unterlaufen und überlaufen von roten Linien. Geplatzten Äderchen. Blond und blauäugig läuft bei mir unter ferner liefen. Viel später fällt mir ein: rotgeädert, sind das nicht die Augen eines Menschen, der sythetisch-chemisch seine Gefühle und Gedanken manipuliert? Meine leidige Minuspunkteskala rutschte ohnehin nochmal ab bei nach Rauch riechenden Lippen. Kein Kuß. Dreitagebärte kratzen sowieso. Germany 0 Points. Mädchen küssen ihre Brüder ja auch nicht. Denke ich an Mike zurück, dann habe ich nunmehr auch für mich erfahren, daß ich eher ein kleines Bäuchlein oder nicht superschlanke Beine an einem ansonsten für mich stimmigen Körper sexy finde, aber eben keine unabänderlichen und vor allem künstlichen Eingriffe. Dazugelernt. Wie schön. Dich wiedersehn? Vielleicht. Deine Worte – liebreizend für meinen Kopf. Schön in den Arm genommen zu werden. That’s all. Die unbekannte Stiomme singt weiter: „Will ich mit dir gehen? Ich weiß nicht, ich weiß nicht. Dich immer wieder sehn? Ich weiß nicht. Ich weiß nicht. Irgendetwas ist vorbei. Vielleicht bleib ich doch lieber allein.“ posted by Catherine | 2/05/2003 11:08:00 AM
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