| Ideenjonglieren im Alltag "Erwarte nichts - heute: Das ist dein Leben!" (Tucholsky) |
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Freitag, März 14, 2003 Dein Grinsen war ein Sieg. Ich fühlte mich als Verliererin. Damals vor etwa 6, 7 Jahren nicht zum ersten Mal. Drei Jahre vorher schonmal, als ich auf ner Party mit einem stets flirtenden guten Bekannten knutschte, der wegs seines wirklich wunderbaren Tanzstils in meiner Stammdisco, die zunehmends auch deine wurde, sowas wie der Star der „’au“ – und so heißen wirklich nur Dorfdiscos – war und wie unangenehm stolz du warst, als du mir am Sonntag drauf sagtest, daß du abgeholt wirst, ohne einen Namen zu nennen und es sich nicht schickte in unserer Family zu fragen von wem und daß all das genügte darauf hinzudeuten, daß du einen neuen Freund hast. Und dein stolzer siegreicher Blick, als ich meine Überraschung nicht verbergen konnte, daß es Stefan war, der klingelte, dich umarmte und küßte und mit dir in seinem roten getunten Golf davonfuhr. Ein halbes Jahr später waren wir keine Freunde mehr. Noch heute sagst du, du könntest nix dafür. Nein, du konntest nie etwas für irgendwas. Du verschlingst Menschen, die Femme Fatale zieht immer. Interessante Menschen aus meinem Kreis heraus. Ich kämpfe noch mit dem Verinnerlichen der Erkenntnis: dann waren sie es nicht wert meine Freunde genannt zu werden. Mit Bea in der Schule, das war eine gute, ansporndene Konkurrenz. Sie war meine Freundin. Auch sie war mal in den gleichen Typen verliebt wie ich, mit 15, hat ihn sogar gekriegt. Und wir haben es gemeistert, diese schwierigen, wenn auch kurzen drei Wochen euerer Beziehung. War meine Gelegenheit zum Entlieben damals, gottseidank. Das war allerdings Freundschaft und Freiwilligkeit. Du gibst dich mir nie freiwillig preis. Du gibst mir das Gefühl gegen dich zu verlieren. Doch bei genauerer Betrachtung, was war da bei Mike2, damals vor 6 Jahren, der zweite Fall seiner Art, einer mit dem ich auf einer Geburtstagsparty rumknutschte, den du kurz danach oder davor, du erzählst es mir ja nie, zu deinem Liebhaber oder was auch immer erkorest? Wie du mich stolz und siegreich angrinstest als ich dir gestand, obwohl ich mit ihm nach Hause gegangen bin, NICHT mit ihm geschlafen zu haben Ich konnte nicht, ich WOLLTE nicht mit einer nach Qualm stinkenden und Sturzbäche von Schweiß vergießenden, überaus behaarten Beinahealkoholleiche schlafen, auch wenn diese noch so interessant über Theater plaudern konnte und gar Ambitionen hatte zu Regie – du warst mein Regisseur noch zwei Jahre zuvor – damals dachte ich, wenn DAS Regieführen heißt, dann kann ich das auch, wenn du nicht diese Riege an guten Schauspielern und Schauspielerinnen – also uns - gehabt hättest, dann wäre das Stück schwer schiefgegangen. Ja, Mike2, du gehörtest zu einem der durchaus interessanten Menschen die ich in S. traf, früher oder später mußtest du auf Jaqueline treffen, die ein Jahr nachdem ich die Stadt verließ nach S. kam und mir nicht nur studienmäßig, sondern auch im Freundeskreis einfach vieles nachmachte. Das Konzept der Imitation, lernen durch Imitieren, nicht umsonst waren wir Stars im Playback. In deiner Wohnung ließ ich mich auf ein letztes Glas Wein verführen, auf deiner grünen Cordcouch, die ich nicht genauer betrachten wollte. Dann völlig fertig auf dein Bett, das vermutlich seit nem halben Jahr keinen neuen Bezug mehr gesehen hatte. In einer Wohnung in der der Abfall süßlich roch wie Erbrochenes und überall, wirklich überall die Kippen verstreut lagen, aus mehreren Aschenbechern quollen. Deren Einrichtung dir nichts wert war, du hast sogar noch die Lampe mit den Sandmännchenmotiven im Schlafzimmer hängen lassen, auch die goldbommeligen Sessel und die verchromten Wandkelchlampen, die statt nach oben ragten nach schräg unten hingen, ganz zu schweigen von den Tapeten, auch die stammten noch von dem Vormieter wie du sagtest. Abgebrochene Resopalmöbel, ein Kurbeltisch mit teils rissigen Kacheln, vollbeladen, darunter verschimmelte Essensreste. Mir wurde übel von deiner Wohnung, in deinem Bett hielt ich es keine zehn Minuten aus und ich flüchtete, du warst kaum noch zu Abschiedsworten fähig so weggeworfen hattest du dich, in Alkohol, in dein stinkendes Bett, in Schweiß, in Schlaf. Ich flüchtete morgens um halb fünf in den einsamen Morgen wo keine 500m weiter Jaqueline mit irgendeinem 15 Jahre älteren Künstler im Bett lagest, der mich unbekannterweise mit erstem Satz als „Pummelchen“ bezeichnete, die Mitbewohnerin von Jaqueline im anderen Zimmer mit Robert, einem Exfreund von früher von mir, den du auch eingeladen hattest, was mich amüsierte, im Bett lag und Mike2 und ich vorher im Flur, da alle Betten belegt waren und aus Langeweile und wegen Alkohohl und allgemeiner Pärchenbildung auch einfach mal anfingen rumzuknutschen. Jetzt klingeln? Wie wäre das Synchronvögelgeräusche seiner Schwester UND seines Exfreund mit einem schrill-penetranten Klingeln zu übertönen versuchen? In dieser Prä-Party-Alkoholmorgeneinbruchsstimmungseinsamkeit kriegte ich beim Gedanken daran mitten auf der Hauptstraße von S. einen Lachanfall bis mir die Tränen kamen. Ich ging zum Schloßpark und es war zum Glück Sommer, angetauter Morgen und döste auf der Parkbank bis es sieben war. Lief dann zu Jaquelines WG; halb acht, eine gute Zeit zum klingeln. Jaqueline, wenn das dein Sieg war, möchte ich gerne eine schlechte Verliererin sein. Aber vor allem möchte ich nicht mehr wettrennen. Oder Bernhard, den du auch verführtest. Der als Theologe nochnichtmal Ansätze von Moral besaß und mich und sie diesbezüglich auf eine sehr geschickte Art belog. Hätten wir totales Pech gehabt, hätte es sogar soweit kommen können, daß wir zur gleichen Zeit was mit dem gleichen Mann gehabt hätten. Warum er log? Um sich nicht in Schwierigkeiten bringen zu müssen. Dosierte Wahrheit. Raffiniert ist für mich keine Qaulitätsbezeichnung für Kommunikation, sondern etwas was meine Alarmglocken klingeln lässt. Manchmal ist Verschweigen lügen. Bin ich alleine so naiv, daß ich wirklich alles sagen können möchte, natürlich ohne das Gefühl zu haben es zu müssen? Und jetzt, kürzlich hat Mark den Startschuß gesetzt für ein neues Rennen. Ein Rennen, in dem ich nach wenigen Metern Führung schon wieder zurückgefallen bin. Ich mag nicht mehr. Ich möchte selber bestimmen wen ich wie schnell kennenlerne. Liebe Jaqueline, ich mag dich, aber ich mag keine Spielchen, die meinen Freunde betreffen oder die, die es noch werden könnten. Nicht schon wieder! posted by Catherine | 3/14/2003 03:13:00 AM
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