Ideenjonglieren im Alltag
"Erwarte nichts - heute: Das ist dein Leben!" (Tucholsky)


Samstag, März 08, 2003  

Der Versprecher des Tages in nem 1,5 h Telefonat mit Mirko vorgestern: „Ich möchte mich mit einer Rolle desinfizieren.“

Spätere Wörter, die mich fanden: Herzspaziergänge und Denkwolken

08.03.03
Seit den letzten zwei Wochen weiß ich endlichmal wieder ein Stück weit mehr was ich mir wünsche; was ich brauche, menschlich. Da hat man oft so bestimme Vorstellungen und wenn dann ein gegenseitiges Näherkommen da ist dann werden manche Vorstellungen plötzlich unwichtig. Runtergebrochen heißt das: Ehrlichkeit, Offenheit, Sichmitteilenkönnen, Durchlässigkeit, Herzlichkeit/Wärme, Balance zwischen Mut und Sicherheit und Nervösität zuzulassen - Authentizität, ein Gespür dafür wie weit man zu weit gehen kann – lieber zu provozierend als zu zurückhaltend, Leichtigkeit und doch Respekt, womit wir wieder bei der Ehrlichkeit wären. Das sind zunächst mal die Basiseigenschaften. Sich mit sich auseinandergesetzt haben, nicht „fertig“ damit werden, ein gutes Körpergefühl haben wodurch auch immer – am liebsten natürlich Tanzend, Lachen und Weinen können, Nähe zulassen können, das kann auch erst mal „nur“ verbal sein, aber irgendwie brauche ich schon einen Ansatzpunkt dich kennenlernen zu können, Worte, Worte und nochmals Worte auch und vor allem! Gemeinsamer Humor, ähnlicher Blick auf die Welt, psychologisches Feingefühl. Oh ja, Bildung natürlich auch – und ästhetisches Feingefühl. A beautiful mind, visible in beautiful words. Or maybe music?
Genauso weiß ich auch immer mehr was ich NICHT will, denn meine Geduld ist (mit zunehmendem Alter???) endlich, was die Aussicht auf ebenjene Eigenschaften hervorzulocken in jemandem anbelangt, die ich nur ahnte, aber nicht erlebe, wenn er sich verschließt. Ich möchte erleben, sehen und in der Situation sein, durchaus denkend und schreibend dazwischen, davor, danach. Le vent qui portera ... (Soundtrack derzeit: Noir Desir)

Dennoch verstehe ich mich manchmal selber nicht *schmunzel ... vor allem dann wenn ich nicht sagen kann WARUM mich jemand interessiert. Und vor allem, nur dann nervös zu sein, wenn ich jemand nicht sehe und in seiner Gegenwart mir alles verschlossene bleibt, was ich ahne oder gar nur projeziere? Und ich deshalb es keineswegs leicht empfinde, sondern zum großen Teil anstrengend, da ich dich nicht sehe, da du dich nicht zeigst und auf keines meiner verbalen privateren Themen einsteigst ... sehr irritierend... I don’t know ... doch du bist nicht der einzige ... What I know now is that you are single at the moment - one of only very few personal things you told me without asking – if I understood you right in your very very careful speech ...

Was die Theorie der Homöopathie oben anbelangt muß ich glaube ich doch noch eine nicht bedachte Möglichkeit ergänzen:
Wenn Liebe Sucht war, und das könnte durchaus sein – und wenn ich dabei Yalom folge, den ich immer wieder gerne zur Hand nehme (Irvin D. Yalom: Der Panama-Hut – oder: Was einen guten Therapeuten ausmacht) Er sagt gar, daß fast alle in einem Ablösungsprozess steckenden zurückgeworfen werden, die den ehemals Geliebten wieder sehen ähnlich einem Alkoholiker der durch einen Ausrutscher rückfällig wird. Er schreibt allerdings weiter: „Es ist keine Frage des schwachen Willens; es ist etwas an dem Gefühlszustand, das den Patienten auf einer sehr tief liegenden Ebene berührt. (...) Ich glaube daß die bessene Liebe oft als Ablenkung dient und den Patienten von schmerzlichen Gedanken abhält. Früher oder später hoffe ich fragen zu können: Woran würden Sie denken, wenn Sie nicht von XY besessen wären?“ Noch mehr derlei intelligente Fragen, die einen wirklich weiterbringen finden sich in wunderbaren Häppchen in jenem Buch.

posted by Catherine | 3/08/2003 09:54:00 AM
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