| Ideenjonglieren im Alltag "Erwarte nichts - heute: Das ist dein Leben!" (Tucholsky) |
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Freitag, April 11, 2003 - ein schö10.04.03 Vom Lieben und Verlieben Bücher zu lieben ist einfach. Sie können einen nicht zurücklieben. Sie können sich demnach auch nicht entlieben. Du hast es selber in der Hand Schluß zu machen. Blättere die letzte Seite um und die Geschichte ist zu Ende. Destillierendes Zitat aus "Die Erbschaft“ von Connie Palmen: „An jenem Mittag fragte Margaretha mich, ob ich in Lotte Inden verliebt sei. (...) „Sie hat etwas an sich, wodurch sie unnahbar bleibt“ hatte ich gesagt. „Wie nah möchtest du sie denn haben?“ hatte Margaretha daraufhin ohne jegliche Veränderung ihres Gesichtsausdrucks gefragt. Ich hatte erwidert, daß ich mir keinerlei Vorstellung davon machte, daß das Verlangen zwar stark sein ich aber keine Ahnung hatte, was ich mir von ihr ersehnte. Und daran hatte sich Margarethas Frage angeschlossen, auf die mir so schnell keine Antwort einfiel. Das kam schlichtweg daher, daß ich mir selbst nie gestattet hatte, das Wort in meinem Kopf aufkommen zu lassen, und in gewissem Sinne fürchtete ich, es erst zu werden, wenn ich das Wort in den Mund nahm. „Was hindert dich daran?“ fragte Margaretha. „Sie hindert mich daran“, sagte ich, und während ich es sagte verspürte ich einen leisen, erträglichen Kummer darüber, wie wahr diese Worte waren. Schon wieder traf ich an der Haltestelle jemand, einen ehemaligen Mitbewohner. ER sagte, er hätte versucht mich zu erreichen. „Einfach so“, das wunderte mich und ich wußte gar nicht, ob mich das freute, uns verband trotz einem Jahr WG-teilen eigentlich gar nix. Er hat zugenommen. Und ich konnte nicht umhin immer noch grinsend an die kwieksenden Schreie seiner damaligen Freundin zu denken als ich ihn sah. Das ganze Haus lästerte schon über ihre Schreie. Ich habe noch nie eine Frau so schreien hören. Merkwürdig woran man sich erinnert. Ich denke an die Geschichte „Der glückliche Nachbar“ von Selim Özdogan, dessen „Trinkgeld vom Schicksal“ ich gerade aufsauge, so möchte ich schreiben können! Ich möchte so vieles, habe das Gefühl aber ohne Mentor nicht voranzukommen. Alleine vor mich hinwursteln ist ebenso wenig mein Ding wie ständig durch eine Zusammenarbeit mit einem viel weiteren überfordert zu sein. Dieses „So gut werde ich ja wohl nieeeee“. Es darf nur nicht am Anfangen hindern! Dafür habe ich letzte Woche eine Gruppe angefangen, die wir gemeinsam den „Weg des Künstlers“ nach Julia Cameron gehen wollen. Das Schauspieltraining hilft zwar freier zu werden, aber kontinuierliche eigene, eigene (!) Aufbauarbeit ist das nicht. ICH bin ja die, die die anderen aufbauen soll! Nach dem Schauspieltraining habe ich erfahren, daß Manuel H. sich von seiner langjährigen Freundin getrennt hat, genauergesagt umgekehrt. Betty hats mir erzählt und ein irritiertes Gefühl überkommt mich. Sie waren doch so lange zusammen, auch trotz räumlicher Trennung in den letzten zwei Jahren. Eines der Paare, die herzerfreuend waren, auch durch ihre Nähe und ihren Umgang miteinander. Die scheinbar nichts trennen konnte. Ich erinnere mich wie Manuel mir von ihrem Zusammenkommen erzählte, seine Offenheit, sein zittriger Überschwang, seine Überzeugung rührten mich fast zu Tränen, dabei wären es Freudentränen gewesen. Schon so lange her, aber ich weiß noch genau, daß es der Irish Pub hier um die Ecke war, hier um die Ecke, wo ich jetzt wohne. Ich wußte, jetzt fängt eine andere Ära an und seitdem war unsere Freundschaft auch nie wieder so nah wie drei Jahre zuvor. Seine Begeisterung damals, ich freute mich mit ihm. Und ein bischen Neid schwang mit. Keine Trauer mehr wie nach dem Verkündigen seiner Beziehung davor. Im Nachhinein muß ich wohl zugeben ein bischen verliebt gewesen zu sein, damals eben noch davor. Dieser Sommer mit dir und Bela. Ein Sommer wie in „Die Geheimnisse von Pittsburgh“ von Michael Chabon. Dieser Sommer wo alle in dich verliebt waren. Zumindest ein bischen. Eine Theaterproduktion hat immer mit Liebe zu tun. Warum fällt es mir so schwer, Verliebtsein zuzugeben? Generell. Liebe ist ein unsicheres Geschäft. *lach Es freut mich Jaqueline, daß du an einer Beziehung strickst, so wenn ich dich richtig verstanden habe in deiner genau wie ich es wäre zurückhaltenden Deutlichkeit diesbezüglich. *schmunzel Beruhigend und lebenserleichternd nicht nachtragend zu sein. *malaufdieeigeneschulterklopf Aus der Ferne schwärmen ist ungefährlich, nah finde ich überall das Haar in der Suppe. Jener ist zu verschlossen und jener zu weit weg. Der andere ist blond und wieder jener hat den falschen Musikgeschmack. *lach ... Armin, ich stimme dir in einem Punkt nicht 100% zu. Nein, das wirkliche „fallen in love“ geht nicht ausschließlich über das Äußere. Bei mir nicht. Ich kann mich auch in Sprache verlieben. In Musik. In eine Stimme. Zumindest ein bischen. Na also; es geht doch! Und die, die es leben beneide ich gerade ein bischen. Auch wenn „nur“ die Option aufgeflammt ist. Erflammt. In die zu pusten es nötig wäre. Dein Gegenüber ist an der Reihe, damit sie nicht erstirbt vorm gemeinsamen Aufflammen. Flammen brennen. Manchmal lichterloh. Ein Herz zu Asche. Doch wenn ich schwarz sehe bevor es fritzelt und bizzelt vergesse ich daß auch Rauch eines wärmenden Feuers trägt. Etwas mutiges tun. Pusten. Öl ins Feuer gießen. Keine Tränen. Die Gemeinsamkeit von Mike und mir waren unser beider unter Offenheit getarnte Unnahbarkeit. Oder anders: Durchlässigkeit in vielen Themen, die bei anderen verschlossen ist bestäubt dicke Schichten über dem eigentlichen Kern mit einer flirrenden Glitzerschicht, die auch dort Tiefe vorgaukelt. Die die Neugier an jenen Stellen durch den Glanz und die Tiefe an anderen Stellen einfach verschmückt. Die Seele - ein ein bekrateter Mond. Entstaubt mit mir. Frühjahrsputz. Entstaubt meine Zunge, die nur aus toten Büchern zitieren kann, wenig vom Leben. Das klingt wie „La vie tranquille“ von Duras. Sie ist mir auch in „Die Erbschaft“ begegnet. Fast scheint es als ob sich auch in der Literatur ein immer engeres Netz spannt. Fast scheint es wie sich in einem Ort auskennen gelernt zu haben. Inzwischen kenne ich Netzwerke, Wege von A nach B; Abkürzungen gar. Heute beim Netzumherstreifen, was wegen der Zeitschrift nur sehr kurz ausgefallen ist, war ich schon wieder neidisch als ich sah, daß sich die Exfreundin eines Internetbekannten, die sich zeitgleich wie ich sich trennten und die exakt in der gleichen Situation waren, gemeinsames Büro und so – daß sie sich mit eigener Agentur berappelt hat. Das Netz ist geduldig. Sie jedoch hat was getan! Ich weiß: wozu Zeit mit Neid verschwenden? Ja, wozu? Ob ich am Samstag Zeit haben werde mir den Liederabend mit Gina anzuschauen? Habe vorgestern schon Mark gefragt per Mail ob er mitkommen mag, noch keine Antwort bekommen. Ja, Armin, das ist auch genau das gleiche worüber wir gesprochen haben: Aber Mark, Mark hat nicht gepustet. Und letztlich - ... wischte sie das Haar in der Suppe beseite und macht einem wirklichen Freundschaftmahl Platz. So wenn es ihm wenigstens danach sein könnte. Hätte ich weniger intellektuell-kopflastige Menschen in meiner Nähe, hätte ich womöglich viel öfter gesagt: Ich bin verliebt. Zu viele Konjunktive.Es gibt ja noch nichts zu bedauern. Außer vielleicht daß ich ihn einfach gerne persönlicher kennengelernt hätt. Bekannte habe ich genug. P.S.:Wenn Sie einen Druckfehler finden, bitte bedenken Sie, dass er beabsichtigt war. Unser Blatt bringt für jeden etwas, denn es gibt immer Leute, die nach Fehlern suchen. (Stand so in einer finnischen Tageszeitung.) und habe ich bei single.de geklaut. posted by Catherine | 4/11/2003 12:38:00 AM
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