Ideenjonglieren im Alltag
"Erwarte nichts - heute: Das ist dein Leben!" (Tucholsky)


Montag, April 07, 2003  

Gerade erst aufgestanden. Mich hat Haruki Murakamis "Gefährliche Geliebte" gefesselt, fasziniert und es war wie ein Sog. Die Musik von Yann Tierssen, die gerade läuft zieht mich weiter in diese unspezifische Leidenschaft, die mir auch einmal begegnet ist. ... André - der vergangene André - seit ich vor Monaten bei einem Auftrag quasi zufällig über deine Emailadresse und deinen Verbleib stolperte - fast hätte ich dich oder einen Kollegen wegen einer Recherche anmailen können, ja müssen - und dann habe ich es doch nicht getan. "Gefährliche Geliebte" nutzt eine solche Vergangenheit um die Gegenwart besser zu begreifen. Meine Gefahr ist daß ich keine Gegenwart habe. Und in die Vergangenheit fallen könnte. Das ist es, was mich zögern läßt. Doch: Sich Fallen lassen - was ist daran so schlimm? In den Lauf der Dinge vertrauen ... Und ich habe mir vom Universum ein Zeichen bestellt: Soll ich soll ich nicht? Ein blumenzupfiges Klischee. Heute erhalte ich eine Mail von einer sehr früheren Freundin, die auch erzählt, sie habe so viele Menschen aus unserer Vergangeheit getroffen. Mit über 30 hat man eine. Was für eine? Soll ich oder soll ich nicht? So viele Synchronizitäten gerade was André anbelangte. Das ist es, was die Magie ausmachte, den Zauber ... Meine Ratio sagt: "Komm, es war doch ich, die dir diese Querverbindungen geschenkt hat, immer nur mögliche Interpretationen deinerseits. Es ist alles im Grunde ein nebeneinander. Die Verbindungen existieren nicht. Nur du interpretierst sie hinein." Madame Gaganji in ihren Batikwallegewändern singsangt leise: "Ein jedes Leben hat ein Netz und einen doppelten Boden. Fühl dich geborgen im Universum. Schau, was es liefert und nimm das Geschenk an." Ich runzele die Stirn - ja, ich hatte ein Zeichen bestellt. Bin ich noch fähig die Zeichen zu interpretieren? Daß ich zufällig (ich kann dieses Wort schon nicht mehr hören) am Tag nach meiner Zeichenbestellung André, den hiesigen, den ich kaum kenne, in einer Disco treffe, in der ich mit Mark und einer anderen Freundin weilte - ist das schon ein Zeichen? Außer ihm kenne ich derzeit keinen André.

Vorgestern hatte ich einen seltsamen Traum. Nein, nicht von André. Aber er spielte in "seiner" Stadt, in der ich ihn kennenlernte und die mir dabei ans Herz gewachsen ist. Auch wegen der Theatererlebnisse dort. Dort war ich auf einer großen, wunderbaren Party, in einer sehr sehr schön dekorierten Kneipe. Es war eine private Feiergesellschaft, die die ganze Kneipe gemietet hatte. Den Namen habe ich vergessen, es war ein sehr schöner Name, ein ganzer Satz so ähnlich wie diesse Kneipe in Berlin "An einem Montag im April". Es war eine dieser Fata Morgana Bilder, die man, wenn man sie versucht festzuhalten vergisst. Diese Traumbilder, deren Flüchtigkeit man akzeptieren muß um sie nicht zu vergessen. Und ich versuchte das genaue Gegenteil und wachte auf und hatte diese ganze wunderbare Geschichte, diese lange Geschichte, die ein Roman hätte werden können, vergessen. Was blieb war das Gefühl mit meiner Begleitung in dieser Kneipe in jener Stadt eben angekommen zu sein. Freunde zu haben. Zufrieden zu sein. Etwas gemeinsam erlebt zu haben, was wie eine Ahnung in die Zukunft hineinragen kann. In André's Stadt, die nicht mehr seine ist, denn er lebt nun am anderen Ende Deutschlands. Ich muß das nächste Mal in diesem Trancezustand zwischen Schalf und Wachen versuchen meine Traum-Besetzungsbürovorsteherin zu fragen. Denn ich habe keinen blassen Schimmer, was die Besetzung der Hauptrolle bedeutet. ich träume wahrlich nicht oft von Menschen in derlei bedeutungsvollen Rollen ohne sie besonders gut zu kennen.

Nun, ich freue mich auf heute abend.

Die Geschichte des vorletzten Sommers wird noch erzählt werden hier.
Und wie ich am Tag nach diesen im Raum stehenden merkwürdigen Zufälligkeiten in B. auf einem Schotterparkplatz Puzzleteile fand. Kleine blaue Puzzlekleine, es war wie Geldfinden. Du siehst erst eine Münze, bückst dich, hebst sie auf und dann siehst du noch eine. Und noch eine. Und noch eine. So kniebeugte ich mich alle paar Sekunden auf diesem Parkplatz und sammelte etwa sieben Puzzleteile ein, deren Zusammenhang, deren verborgenes Bild mir nicht klar wurde. Sie alle waren blau, wahrscheinlich Himmelspuzzlestücke eines rießigen Bildes. Ich trug sie noch eine ganze Weile mit mir in der Jackentasche herum bis eins davon im Saum verschwand und ich es gestern wieder ertastete, nachdem meine Mutter den aufgerissenen Saum schon wieder zugenäht hatte bei meinem vorletzten Weihnachtsbesuch. Ich trage also ein Puzzleteil mit mir herum immer wenn ich diese Jacke trage.

posted by Catherine | 4/07/2003 04:07:00 AM
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