| Ideenjonglieren im Alltag "Erwarte nichts - heute: Das ist dein Leben!" (Tucholsky) |
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Montag, April 07, 2003 Some first times – oder sind es alle erste Male? Früher als ich mich noch auf jedes Rendevous vorbereitet habe wie auch eine Prüfung. Schon Stunden vorher die Musik, die ER mochte gehört habe. Wo ich passende Zitate aus seinen vermuteten Lieblingsbüchern herausgesucht habe und auswendig gelernt. Wo ich Tanzschritte wegen ihm schon vorher geübt habe. Damit ich sie ihm zeigen konnte. Und auch das probte, daß ich es ihm zeigte und es vorher genau festlegte wie schnell ich sie lerne, damit ich dir nicht zu sehr überlegen war, dennoch deiner Bewunderung sicher sein konnte. Wo ich mich dreimal umgezogen habe, sogar Ohrringe. Wo ich sogar meine Schuhe nocheinmal extra geputzt habe, und beim Sohleputzen über der Badewanne darauf achtete, daß mich keiner fragte, warum ich das mache, wo ich doch sonst so selten Schuhe putzte. Wo ich versuchte mich deiner Lieblingsworte zu erinnern, damit ich sie dosiert benutzen kann. Wo ich auf dem Weg zu dir mich abwechselnd versuchte zu fühlen wie ein Star, der trotz seiner Berühmtheit und seines Erfolges ganz auf dem Teppich geblieben ist, wie eine Königin, die das Verbotene einen Bürgerlichen zu treffen und vielleicht zu lieben auskostete wie den letzten Erdbeertropfen im weißen Joghurtsee auf dem Aludeckel und wie du, wenn du diesen Weg gehen würdest. Ich versuchte das Gefühl anzuprobieren wie einen Pullover, von dem man schon ahnt daß er der neue Lieblingspullover werden könnte obwohl er noch nach H&M riecht. Dieses Gefühl deine Wohnung zu betreten als könnte sie mal meine werden und zu fühlen ob es passt. Erinnere mich an ein Casting letzten Sommer. Eine Zweierszene mit einer zarten zerbrechlichen Frau, die ich eher Mädchen nennen würde, mit witzigen roten Haaren und leuchtenden Augen. Mit zerbrechlichen Schultern und einer Power, die das alles wieder wettmachte. Mit asiatischen Augen. Eine Szene, in der die Vergangenheit heraufbeschworen wurde, die beide gemeinsam in einem Internat verbracht haben. Sie waren enge Freundinnen. Ein Ausschnitt aus derer Vergangenheit zu spielen. Sie hat ein Funkeln in ihren Katzenaugen. „Weißt du noch – wie wir getanzt haben?“ schreibt mir das Textbuch vor und ich gebe dem Impuls nach ihr zärtlich den Hals zu streicheln und dort ihre Hand anzufassen, mit der sie sich soeben eine Strähne in den Nacken gestrichen hatte, obwohl alle ihre wunderbaren Haare richtig lagen. Ich nehme ihre Hand und bin in der Szene drin, sie war meine Freundin, tatsächlich, sie läßt sich wunderbar weich in meine Arme nehmen zum Tanze in der Erinnerung. Sie riecht gut. Obwohl ansonsten mein Geruchssinn nicht besonders gut ist. Sie riecht orange und dunkelgrün, komplementär zu ihren bordeauxroten Haaren. Wären wir nicht auf einer Bühne würde ich noch länger tanzen. Es gibt keine Musik und als wir loslassen schauen wir uns kurz in die Augen. Sehr nah. Ich habe noch nie mit einem Mädchen getanzt, das kleiner ist als ich und mit dem es so leicht ist. Mit einer, mit der es so leicht wäre sich zu küssen. Wir schauen uns kurz an und lachen kurz und leicht und verlegen wie zwei Mädchen, die sich nicht geküsst haben und hören auf die Stille und die ungeteilte Aufmerksamkeit der Zuschauer. „Gut“ sagt der Regisseur und zieht das u leise und lange. Er scheint zu grinsen. Obwohl er eigentlich immer grinst, sein diabolisch zu nennendes Grinsen schien einem kurzen Anflug von Romantik gewichen. Heute hat sie mir eine Mail geschrieben. Jenes Stück hatte letzte Woche Premiere, ich bat um Aufführungstermine. Die Wahl fiel damals dann doch auf jemand anders, was mir auch aus Zeitgründen entgegenkam. Wir verloren uns aus den Augen. Ich schaute was es sonst so geschrieben gibt im Internet hinter ihrem Namen. Ein mehrere Jahre altes Bild. Sie und eine vermutlich mehrere Jahre ältere Frau, auf dem Foto zumindest deutlich weniger hübsch als sie, sich küssend, bei der Aktion zur Lebenspartnerschaft zum CSD „Ja, ich will“. Mit ihr würde ich gerne mal spielen. posted by Catherine | 4/07/2003 07:34:00 AM
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