Ideenjonglieren im Alltag
"Erwarte nichts - heute: Das ist dein Leben!" (Tucholsky)


Samstag, Juli 19, 2003  

DIE EINLADUNG

Es ist für mich nicht wichtig, womit Du Deinen
Lebensunterhalt verdienst. Ich moechte wissen, wonach
Du innerlich schreist und ob Du zu traeumen wagst, der
Sehnsucht Deines Herzens zu begegnen.

Es ist für mich nicht wichtig, wie alt Du bist. Ich will
wissen, ob Du es riskierst, wie ein Narr auszusehen,
um Deiner Liebe willen, um Deiner Traeume willen und
für das Abenteuer des Lebendigseins.

Es ist für mich nicht wichtig, welche Planeten im
Quadrat zu Deinem Mond stehen. Ich will wissen, ob
Du den tiefsten Punkt Deines eigenen Leides berührt
hast, ob Du geoffnet worden bist von all dem Verrat,
oder ob Du zusammengezogen und verschlossen bist
aus Angst vor weiterer Qual.

Ich will wissen ob Du mit dem Schmerz – meinem und
Deinem – dasitzen kannst, ohne zu versuchen, ihn zu
verbergen oder zu mindern oder ihn zu beseitigen.

Ich will wissen ob Du mit Freude – meiner und Deiner –
dasitzen kannst, ob Du mit Wildheit tanzen und Dich
von der Ekstase erfüllen lassen kannst, von den
Fingerspitzen bis zu den Zehenspitzen, ohne uns zur
Vorsicht zu ermahnen, zur Vernunft oder die Grenzen
des Menschseins zu bedenken.

Es ist für mich nicht wichtig, ob die Geschichte, die Du
erzaehlst, wahr ist. Ich will wissen, ob Du jemanden
enttaeuschen kannst, um Dir selber treu zu sein. Ob
Du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht
Deine eigene Seele verraetst.

Ich will wissen, ob Du vertrauensvoll sein kannst und
von daher vertrauenswürdig. Ich will wissen, ob Du die
Schoenheit sehen kannst, auch wenn es nicht jeden
Tag schoen ist, und ob Du Dein Leben aus Gottes
Gegenwart speisen kannst.

Ich will wissen, ob Du mit dem Scheitern – meinem
und Deinem – leben kannst und trotzdem am Rande
des Sees stehen bleibst und zu dem Silber des
Vollmonds rufst: "Ja!"

Es ist für mich nicht wichtig zu erfahren, wo Du lebst
und wie viel Geld Du hast. Ich will wissen, ob Du
aufstehen kannst nach einer Nacht der Trauer und
Verzweiflung, erschoepft und bis auf die Knochen
zerschlagen, und tust, was für die Kinder getan
werden muss.

Es ist für mich nicht wichtig, wer Du bist und wie Du
hergekommen bist. Ich will wissen, ob Du mit mir in
der Mitte des Feuers stehen wirst und nicht
zurückschreckst.

Es ist für mich nicht wichtig, wo oder was oder mit wem
Du gelernt hast. Ich will wissen, was Dich von innen
haelt, wenn sonst alles wegfaellt.

Ich will wissen, ob Du allein sein kannst und in den
leeren Momenten wirklich gern mit Dir zusammen bist.

Oriah Mountain
Dreamer (einem indianischen Stammesaeltesten)

posted by Catherine | 7/19/2003 09:15:00 AM
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