| Ideenjonglieren im Alltag "Erwarte nichts - heute: Das ist dein Leben!" (Tucholsky) |
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Montag, September 15, 2003 Sind Masken Lügen? ... siehe zu folgendem die Ereignisse der letzten zwei Tage in meinem Lieblingsforum: Mut zu Leben - Identitaetsspiele Im Internet muss man mit Maskeraden rechnen. Psychodrama trifft ganz gut mein Verstaendnis von Internet als Bühne. Sicherlich ist es nicht angenehm ent-larvt zu werden. Dabei ist eine Larve ja immmer eine Zwischenstufe von einer Verpuppung zu etwas anderem, zu etwas Weiterentwickelten. Womoeglich immer eine Ent-Taeuschung. Der Grund liegt wohl darin dass es etwas anderes ist, wenn man unfreiwillig Teil einer Inszenierung wird. Wenn diese Inszenierung dort passiert wo man es am wenigsten erwartet. Im Zeitalter der Authentizitaet und der Inszenierten Authentizitaet – man sehe sich Talkshows an – ist das eine logische Entwicklung scheint mir. Ich lerne immer etwas - über andere, den Umgang mit Schicksal, ob wahr oder erfunden – wen lassen zB Filme oder Bücher, voellig erfundene Geschichten kalt? Wer hat nicht schonmal in Anbetracht eines herzzerreissenden Filmes echte Traenen geweint oder beim Lesen echtes Herzklopfen gehabt wenn es spannend wurde? Echte Menschen koennen sich Geschichten ausdenken. Sicher einfach wenn das Medium dazwischen noch undurchsichtiger ist als durch Journalisten gefiltert. Wie fliessend sind doch Geschlechtergrenzen im Internet. Von mir behaupte ich zwar oft dafür ein gutes Gespür zu haben, da ich fast zwei Jahre nebenberuflich im Adminteam einer umfangreichen Kennenlernplattform gearbeitet habe und ich hab – wohl auch weil ich nur einmal kurz mit demjenigen gechattet habe der in jenem Fall als Doppelidentitaet sich ent-larvt hat, seine Identitaet nicht in Frage gestellt. Nun passiert es halt. Menschen sind nun mal so. Dinge passieren. Solange man damit nicht bewusst anderen schadet und das potentielle Risiko es zu tun kontrollieren kann bin ich sehr dafür derlei Grenzen auszutesten. Ob das nun als bewusstes oder leicht entgleistes Experiment oder – „Unsichtbares Theater“ nennt man sowas auf der Strasse (ja, das ist eine eigene Kunstform) oder ein ausgelagerter Teil einer Persoenlichkeit war und ist, in jedem Fall veraendert es was. Katharsis ist ein angestrebter Teil jeder Inszenierung. Ich persoenlich bin daran erinnert worden wie unsicher doch Identitaeten sind – ein grossartiger Literaturtipp – „Leben im Netz“ von Sherry Turkle – das zugegeben sehr umfangreiche (Sach)Buch mit vielen Beispielen die jeder nachvollziehen kann lege ich vor allem denen ans Herz die noch neu sind – es ist zum Wiedererkennen und Staunen über Turkles Erfahrungen und wie sie es in Zusammenhang mit psychologischen und soziologischen Erkenntnissen bringt und in jedem Fall auch zum querlesen sehr bereichernd. (Hilfe, ich doziere ... *lach) Ich bin daran erinnert worden, dass – wer sich ins Leben begibt und sei es (und ich schreibe bewusst nicht „nur“) auch das virtuelle – enttaeuscht werden kann. Auch daran, und das nebenbei, mich da meine persoenliche Enttaeuschung und Verwirrung nur sehr kurz anhielt) mich selten so sehr in etwas hineinbegebe. Daran dass jedoch meine Vorsicht gewachsen und mein Vertrauen hier erst mal ein paar Stufen gesunken ist. Auch das sind Folgen der Ent-Taeuschung, die vielleicht etwas laenger anhalten und wieder vorübergehen. Sehr irritierend finde ich dass nun jeder jeden verdaechtigt jemand anders zu sein. Vielleicht besteht das Forum ja nur in Wirklichkeit aus drei vier Leutchen? *g ... Wer weiss das schon? posted by Catherine | 9/15/2003 09:25:00 AM
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