Ideenjonglieren im Alltag
"Erwarte nichts - heute: Das ist dein Leben!" (Tucholsky)


Sonntag, Oktober 12, 2003  

Ich betrete die nach Turnmattenplastik und Schweiss riechende kleine Sporthalle meiner alten Uni in SI, treffe dort auf einen karibisch aussehenden drahtigen Typen mit langen schwarzen Locken. Capoeira würde zu ihm passen. Bestimmt ist er der Uebungsleiter für Capoeira. Einzelne Silberfaeden sehe ich in seinen ansonsten pechschwarzen Haaren. Was will ich hier? Er schaut mich fragend an. Meinen Schirm habe ich auf der Tribuene vergessen, die Treppe ist eingefahren, so da? ich klettern muesste. Sehe nicht so hoch, reiche auch nicht heran. Er fragt mich, was ich suche, kommt mir naeher als andere. So nahe wie Menschen es oft tun, die sehr regelmaessig Kampfsport treiben, sie scheinen andere Grenzen zu haben. Ich sage, ich wuerde hier Tanzen anleiten, Ausdruckstanz und ich lache. Ach ja, davon haette er noch gar nichts gehoert. Ich lache verlegen und meine, es sei noch nicht sicher, ob es zustande kommt, letztes Semester waren es leider zu wenige Menschen, die sich gemeldet haetten, d.h. eigentlich habe ich eben demnach nur die Absicht diesen Kurs zu halten. Waehrenddessen aechze ich nach etwas was ich nicht sehen kann, da oben auf der Tribuene. Er greift mich um die Taille und hebt mich ungefragt hoch, ich lache. Dann macht er eine Bewegung, ein Sprung aus dem Stand und wir finden uns voellig ueberrascht aufeinanderliegend auf der schmal zusammengeschobenen Tribuene wieder und unser Lachen geht in eine Knutschorgie ueber. Dabei ist er ueberhaupt nicht mein Typ. Die Hallentuer ploppt zu und wir schauen auf meinen alten Sportlehrer der lachend im Raum steht und uns zuruft: Lasst euch nicht stoeren und wieder verschwindet.

(Cut)

Ich sitze irgendwo in einer dieser Plastikkuechen mit Plastikeckbaenken in einem Haus auf dem Land und eine Frau, es koennte seine Tante sein, sagt mir, dass seine Mutter gestorben ist. Ichbin trauriger als ich seion muesste nach all den Jahren ohne Kontakt und ich weiss genau, dass ich traeume und er im Leben kein gutes Verhaeltnis zu ihr hatte, dies hier aber voellig anders sei. Sie ist tot. Und ich, ich habe die Aufgabe ihm das nun gleich zu sagen. So unvermittelt wie mir das eben gesagt wurde. Ich glaube, diese mir eigentlich fremde Frau mit der Kueche wo man Familie spuert obwohl sie aermlich und haesslich und verbraucht aussieht fing ihre Todesnachricht an mit "Uebrigens".

(Aufwachen)

posted by Catherine | 10/12/2003 05:29:00 AM
archives
I like blogging
Ich lese gerade
Lieblingslinks
Contact
Member of