Ideenjonglieren im Alltag
"Erwarte nichts - heute: Das ist dein Leben!" (Tucholsky)


Sonntag, Dezember 21, 2003  

es gibt noch schoene Dichtung neben Gernhardt und Kaestner:

Martin Amanshauser: Brausetablette

Eine Brausetablette aus Nebel frass
das Wasser aus meinem glaesernen Glas.
Ich schwieg verbittert, es war ein Skandal.
Es geschah jedoch nicht zum ersten Mal.
Die Brausetablette frass meinen Tisch.
Sie trank ein Veltliner-Rioja-Gemisch.
Sie telefonierte auf meine Kosten
ins Ausland mit dem teuersten Osten.
Sie ruelpste, furzte und schrie nach Genuss,
sie gab mir den tiefsten und feuchtesten Kuss.
Schliesslich schluepfte sie mir ins Bett
und behandelte mich verhaengnisvoll nett.
Wir tranken danach viel Wein aus Nebel.
Der wirkte als Hieb unters Kinn mit dem Saebel.
Sie sagte: "Wenn ich noch Kraefte haett
holte ich uns mein Brausetablett."
Leider erfuhr ich nie, was das war
(doch im Lexikon steht, es sei wunderbar).
Was dann geschah, muss ich ungern sagen.
Der Wein zerschlug mir den untesten Magen.
Das letzte, was ich im Trubel vernahm
war das Brausetablett, das persoenlich kam.
Was die beiden machten - keine Idee
der Kopf tat mir Kopf tat Kopf sehr weh.
Fruehmorgens war die Tablette verschwunden
samt dem Tablett. Ich kotzte 2 Stunden.
Seitdem ist alles wie angeschraubt
an mir. Als haette mich Brausi beraubt.
Als haette Brausi mir meine Knochen
Stueck fuer Stueck auseinandergebrochen.
Wuerd es ein FPOE–-Volksbegehrn geben
gegen Brausetabletten: ich waer jetzt dagegen.
Ich erholte mich seitdem nie von der Brause-
tablette. Ich komm jetzt oft spaet nach Hause.
Wenn Nebel liegt, bin ich unnuetz erregt
und renn in den Regen, damit mich der schlaegt.
Meine Jacke regnet im Vorzimmer Wein.
Ich muss selten essen und voegle allein.

posted by Catherine | 12/21/2003 11:54:00 AM
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